Die heute relevanten Agenturen sind in einer Zeit gegründet worden, in denen Mut, Team-Drive und Überstunden die drei goldenen Säulen des Pitcherfolgs waren.
Jetzt fragen alle: Wo ist die Leichtigkeit von damals bloß hin?
Die ehemals kleinen, wendigen Teams sind inzwischen große Business Units, permanent unter- oder überbesetzt, der Informationslage notorisch eine Nasenlänge hinterher, und: Mit anderen Business Units der gleichen Agentur im Wettbewerb. Wer liefert welchen Margenbeitrag, wer verantwortet die meisten Kundenbudgets, wer räumt die Awards ab?
Das Gefühl von Zusammenhalt und gemeinsamer Stärke hat dem Vergleich untereinander Platz gemacht.
Gewinner entstehen nicht mehr nur im Wettbewerb mit der Außenwelt, sondern auch mit der Innenwelt.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
– Der Markt ist unberechenbar geworden. Statt eine Bühne für Erfolgserlebnisse zu sein, ist die Außenwelt nun der Grund für steigenden Druck in jeder P&L.
– Die wettbewerbslustigen Pitcher der ersten Stunde sind inzwischen in Führungsverantwortung. Ihre Talente sind Tatkraft, Präsentation und eine Kreativität, die an Bestehendem rüttelt. Ihre Aufgaben sind jetzt Beobachten und Analysieren, Strategieentwicklung und kontinuierlicher Aufbau einer Organisation über geduldige Prozessperfektion.
– Die Wirtschaftsmentalität, der wir noch nicht entwachsen sind, sagt: Wenn etwas nicht funktioniert, muss jemand schuld sein. Und: Die Menschen bräuchten Ziele und Druck, damit sie leisten.
Was die Leichtigkeit und den Erfolg der Agenturwelt vor zwanzig Jahren ausgemacht hat, war nicht nur der nachfragestarke Markt. Es war auch die überschaubare Größe der Agenturteams, in denen sich alle gut kannten und Informationen kaum Barrieren vorfanden. Motivation speiste sich aus der Autonomie und dem Vertrauen, das die Teams genossen haben.
Wer will, dass Agenturmitarbeitende frisch in eine Kraftanstrengung gehen, herrlich absurde Ideen entwickeln und Kunden damit vom Hocker reißen, braucht echtes Wir-Gefühl und Teams wie kleine Einsatzschiffe: hoch beweglich, schnell einsatzbereit, und mit entscheidungsbefugten Kapitän*innen.
Die mit den anderen Kapitän*innen nicht um die Wette, sondern in der Flotte segeln, und die Staffelstabübergabe bei voller Fahrt perfektionieren.
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