Es gibt Websites, die werden von Agenturen gebaut werden. Und es gibt Websites, die aus purem Willen geformt sind. Ratet mal.
Ich bin keine Programmiererin, keine Designerin, keine WordPress-Expertin. Ich bin dabei, ein Business aufzubauen, und ihr ahnt, Zeit ist so etwa das Kostbarste, was mein Tag gerade zu bieten hat. Aber ich wollte eine Website, die erzählt, wie Kommunikation, Organisationsentwicklung und KI in diesen Monaten in einer Art ineinandergreifen, wie es vor ein paar Jahren absolut nicht absehbar war. Also habe ich sie gebaut. Schritt für Schritt. Mit Geduld, Kaffee und einem ganzen Schwarm KI-Assistenten.
Emergenz als Kompass in einer wilden Welt
Auf der Marke habe ich richtig lange rumgedacht – vielleicht schon Monate. In der Sparringphase sind viele CustomGPTs entstanden, die helfen, Kreativsprungbretter zu bauen, Zielgruppen zu analysieren, Kommunikationsstrategien vorbereiten. Auch eine strategische KI-Challengerin, die einem nichts, aber auch wirklich gar nichts an halbgaren Ideen durchgehen lässt. Ein Anti-Echoraum für weniger Ärger hinterher.
Meine Idee und mein Markenkonzept waren also in besagtem Kreativsprungbrettgenerator und wir haben auf den Pains und Botschaften für die Zielgruppen herumgedacht. Plötzlich stand der Begriff der Emergenz als Lösung für die Herausforderung der kommenden Jahre im Raum: Wenn das Gesamtkonzept mehr ist, als die Summe der Einzelteile, dann entsteht etwas Neues. Und dieser Satz beschreibt im Grunde jeden einzelnen meiner Arbeitstage, seit LLMs in das Handwerk der Kommunikation eingeritten sind. emeres ist ein nach Klang und Bauchgefühl abgeleitetes Kunstwort. Zu meiner großen Verblüffung war die Domain noch zu haben. Also schnell die Marke eintragen!
Mein Brand-KI-Kollege hat auf Basis von Markenstory und Herleitung dann bei Farben und Formen geholfen, Perplexity beim Scan, ob es wohl schon viele Beratungshäuser mit vergleichbarem CI gibt.
Der erste Entwurf entstand mit Lovable. Ich habe grob beschrieben, was enthalten sein soll, und die CI-Vorgaben eingefügt, die ich zuvor mit dem Brand-KI-Kollegen entwickelt hatte. Lovable lieferte den Rohbau und ich entdeckte, dass inzwischen Webhooks in Websites eingebunden werden können. Wenn Lovable das kann, kann Wordpress das doch sicherlich auch? Herrlich! Die Idee des KI-Chat-Asssitenten direkt auf der Website war geboren. (Das Webhooks und Wordpress tatsächlich keine Liebesgeschichte sind, habe ich erst später herausgefunden.) Perplexity spürte dann das passende WordPress-Theme auf. Das Theme war nah genug an dem, was ich wollte. Top – KI-Sichtbarkeit braucht immer wieder neu starke Inhalte, das kann Loveable noch nicht bieten. Also zurück zum Klassiker: Gekauft, installiert, ausprobiert.
Lernkurve: Astronomisch
Mein liebster Assistent ist schon vor fast einem Jahr nach einer Technik-Session an der Console entstanden, aus einem Chat, in dem ich schier verzweifelt wäre. In dieser Session habe ich aber eben auch herausgefunden habe, welche Wegbegleitung ich genau brauche, um mir selbst schnellstmöglich nerdige neue Kompetenzen draufzuschaffen. Und was die KI braucht, um mir dieses Coaching bieten zu können. Diesen Assistent habe ich inzwischen vielfach adaptiert für unterschiedlichste Upskillingbedarfe. Für die Website war sie als “Mrs. Theme-Nerd” im Einsatz und hat mir Schritt für Schritt bei Layoutentwicklung und Aufbau von Handling-Know-how geholfen. Diese Upskilling-Assistenz bekommt den großen Plan – oft von Manus – zerlegt die übergeordneten Schritte in einzelne To-Dos und ist vor allem eins: geduldig. Kein zu schnelles vorweg, vor und zurück, Daten verlieren und Missverständnisse aufhäufen. Und so haben wir losgelegt: Design-Elemente passend zum Design entworfen, Frontentdesign in der Theme-Logik draufschaffen – all die Rows- und Columns- und Raw HTML-Blöcke wollten erstmal verstanden werden. Die Achillisferse des Assistenten: Sie hat die Flexibiltität einer Lokomotive. Die Widgets – also vorgebaute Designelemente – habe ich erst entdeckt, als ich einiges mit CSS-Klassen schon selbst gecoded hatte. Naja, so sind immerhin die goldenen Rahmen entstanden!
Die Texte entstanden parallel mit einem Texter-Assistenten, der auf sämtliche Texte Zugriff hatte, die ich im Laufe der letzten zwölf Monate so produziert habe. Ein Text-Styler hilft, den KI-Sprech zu entfernen und stilistisch ganz Andrea zu sein. Gemeinsam verwandelten wir lange Textstrecken in verdichtete, klare Content-Centerpieces.
Sehr oft ging nichts mehr. Dann half Manus beim Konzept, Claude beim Bugfixing und GPT als geduldige Upskilling-Begleitung.
Chatbots: Ein Markt mit Luft nach oben
Diese Website zeigt nicht nur inhaltlich, sondern qua Existenz, was KI als Exoskelett künftig nicht nur für Kommunikator:innen leisten kann, wie Fachdomänenwissen potenziert wird. Wer eine Idee hat und angrenzendes Wissen mitbringt, kann sich mit den richtigen Tools heute in wenigen Wochen in Themen einarbeiten, die bis vor kurzem ganze Teams beschäftigt hätten.
Zwischendurch gab es durchaus auch Ausflüge, die ich besser mal stattdessen im Wald verbracht hätte. Ich wollte, dass meine Websitebesucher bequem per KI-Assistent mit mir Termine vereinbaren können, erste Fragen klären und mir direkt Nachrichten und Zusammenfassungen in meinen Slack-Workspace geschickt werden können.
Die Recherche war mühsam, definitiv ein Markt, in dem noch Wettbewerber Platz haben. Das richtige Tool fand ich schließlich zufällig über die Recherche nach Chatbot-Plugins für Wordpress. Zwei Tage und Nächte später war es so weit: Der Assistent sprach, verstand, trug Termine ein, verschickte Einladungen. Via MCP-Server hatte ich sogar die widerspenstigen Zeitvariablen und damit korrekte Kalendereinträge im Griff. Bis ich im letzten Schritt, nämlich beim Ergänzen der Datenschutzerklärung um einen passenden Absatz zum verwendeten Tool, feststellte, dass der Versand personenbezogener Daten über das verwendete Tool aus DSGVO-Sicht leider gar nicht zu verantworten ist. Also tief durchgeatmet, alles wieder zurückgebaut und die Funktionen deutlich reduziert. Immerhin kann der Assistent schon einiges zu emeres erzählen. Und: euch dabei unterstützen, die Nachricht für das Kontaktformular wenigstens vorzuformulieren, über das ihr eurer Anliegen dann gemeinsam mit den heiligen personenbezogenen Daten ganz DSGVO-konform versenden könnt. Aber: Hinweise, z.B. was ihr euch hier auf der Website noch wünscht, direkt als Slack-Message an mich, das ist noch möglich! Ich rate dann einfach, von wem sie kommt 🫠
Wenn das Scheitern gemein über die Schulter lächelt
Diese Website läuft auf Basis von Neugier, Willen und Experimentierfreude. Sie ist der Beweis, dass KI kein Ersatz für Expertise ist, sondern ein Verstärker für Menschen, die ein klares Zielbild haben und bereit sich, sich dem Ziel Schritt für Schritt zu nähern. Das Risiko, unterwegs an einen Punkt zu kommen, wo es einfach nicht mehr weiter geht, hat mir in den vergangenen Wochen öfter mal nachts hinterhältig lächelnd über die Schulter gelächelt. Ob die ganze investierte Zeit wohl verloren wäre? Es gilt: Nicht beindrucken lassen, die Lösung versteckt sich irgendwo in den Tiefen der LLMs und, schlimmstenfalls, in Foren.
Dieser Blogbeitrag wurde übrigens in den Minuten geschrieben, als eigentlich die Website live gehen sollte. Weil der Hostinganbieter down war.
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