Agenturen setzen angesichts des KI-Shifts ihre Hoffnungen zunehmend in strategische Leistungen. Das wird zur Falle, wenn der menschliche Beitrag immer weniger über individuelles Wissen funktioniert.

Die Zukunft der Kommunikationsberatung ist Kreation, Innovation und das Beherrschen aller Werkzeuge hinter der Schnittstelle zur realen Welt. Im Gegensatz dazu ist potenziell alle Arbeit, die digital stattfindet, etwas, das die KI übernimmt. Und dazu gehört ganz klar jede Form von Planung und Strategie.

Erfahrung ist keine Innovation

Ja, KI kann allein auch weiterhin keine neuen oder innovativen Strategiekerne entwickeln. Dennoch bleiben 90 % handwerkliche, recherchierende und planende Arbeitsschritte, wenn erst die Idee steht. Wenn Erfahrung vor allem meint, Konzepte, Kampagnen, Krisen-Frameworks oder Roadmaps in einer Logik bauen zu können, die „so immer funktioniert“, drohen schlechte Nachrichten: Diese Erfahrungen sind eigentlich Datenpunkte, die nur noch nicht ihren Weg in einen KI-Assistenten gefunden haben.

Machen: Potenzial hinter der API zur realen Welt

Was die KI auch in Zukunft nicht kann, ist alles, was hinter der Barriere zur menschlichen Welt liegt:

  • Einen Bürgerdialog führen, Mensch zu Mensch.
  • Ein geplantes Live-Event zum Leben erwecken.
  • Auf ein Netzwerk zurückgreifen.
  • Eine komplexe Transformation Schritt für Schritt durchsteuern.
    Eine Personenmarke sein, die im digitalen wie im realen Leben die Zielgruppen mit einer Unternehmensmarke verbindet.
  • Erfühlen, was in einem zwischenmenschlichen Moment notwendig ist, damit ein gemeinsamer nächster Schritt gegangen werden kann.
    Menschen so führen, dass sie über sich hinauswachsen.
  • Scheinbar irrationale Entscheidungen treffen, die über Wertekonsistenz aber genau die Loyalität inspirieren, mit der die nächste Krise überwunden wird.
  • Etwas kaputt machen und zu etwas Neuem formen – also zu innovieren.

Stellt Junior*innen ein – die kennen keine Sunken Costs!

Der Erfahrungs-Bias lässt dieser Tage Agenturen auch zögern, im gleichen Maße wie bisher Volontär*innen oder Junior*innen einzustellen. Die Überzeugung ist, dass deren Arbeit zuerst automatisiert werden könne. Junge Mitarbeitende waren jedoch schon immer mehr als Zuarbeitende auf Projekten. Sie sind der natürliche Motor des Wandels in Gesellschaft genau wie in Unternehmen, sie bringen neue Perspektiven und genau diese buchstäbliche Unbefangenheit gegenüber Sunken Costs mit, die wir so dringend brauchen. Und sie sind – aus Sicht von Kommunikator*innen – die Relator*innen zu jungen Zielgruppen.

Wer KI also nicht nur mit Blick auf kurzfristige Effizienzgewinne, sondern langfristige Innovation implementieren will, tut gut daran, alte Schubladen wie Strategie/Werkbank oder Senior/Junior neu zu justieren.

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