Wer Entscheidungen trifft, liegt immer mal daneben. Wenn die Entscheidungen ein Team oder eine Organisation betreffen, hat sie weitreichende Konsequenzen für viele andere Menschen.

In zwei Fällen sollten Entscheider*innen dennoch kein schlechtes Gewissen haben:

1. Wackelige Entscheidung statt keine Entscheidung

Wir agieren in einer komplexen, sich immer schneller drehenden Welt. Oft genug müssen zu einem Zeitpunkt Entscheidungen getroffen werden, für die (noch) nicht genügend Daten vorliegen. Keine Entscheidung zu treffen, hat in der Regel ebenfalls negative Konsequenzen.

2. Entscheidung aus einer Mangelsituation heraus

Ressourcen wie Geld, Kapazität oder Aufmerksamkeit sind begrenzt. Ein*e Entscheider*in erahnt, dass ein Problem Aufmerksamkeit braucht, muss aber etwas Drängenderes oder Wichtiges priorisieren. Obwohl das Bewusstsein für ein Problem besteht, wird es nicht adressiert.

In Überfluss-Situationen stellt sich die Frage, ob Verantwortliche versiert und schnell genug eine Projekt- und Führungsstruktur aufbauen können, die in der Lage ist, eine Organisation aus einer Multikrise herauszuführen.

Im Mangel stellt sich die Frage, in welcher Reihenfolge Probleme bearbeitet werden müssen. Diese Transformationstriage hat immer Schäden zur Folge, weil sich gegen die Bearbeitung wahrgenommener Probleme entschieden werden muss, um priorisierte Veränderungsbedarfe realisieren zu können.

Wie kommen Entscheider*innen rückblickend trotzdem zu Frieden mit sich selbst?

Es ist zentral, sich bewusst zu machen, dass Ressourcen wie Geld oder Aufmerksamkeit begrenzt sind. Es gibt deshalb in aller Regel nur eine Sache, die besser gemacht werden kann: Bewusst im Mangel zu entscheiden und zu hinterfragen, ob der richtige Handlungsbedarf priorisiert wurde.

Für diese Optimierung können sich Entscheider*innen in der Retroperspektive folgende Fragen stellen:

  • Zu welchem Zeitpunkt oder Anlass hatte ich ein schlechtes Gefühl, habe jedoch nicht gehandelt?
  • Warum habe ich nicht gehandelt?
  • Was wären die Konsequenzen gewesen, wenn dieses Problem gelöst worden wäre – was hätte z.B. dafür depriorisiert werden müssen?
  • Hast du dich für das “richtige” Thema entschieden oder würdest du beim nächsten Mal etwas anders machen? Warum?
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